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Das Hospital Civil in Guadalajara
Von Marion Faesel: Ein glücklicher Zufall
bescherte mir Einblicke in eine Krankenhauswelt, wie ich sie mir in unserem
Chipkarten-Zeitalter und Krankenhaustagegeld-System nicht hätte vorstellen
können. Die Tochter meiner Spanischlehrerin, eine Ärztin, zeigte mir ihren
Arbeitsplatz, von dem sie selbst sagt, er sei schrecklich: das Hospital
Civil de Guadalajara.
Eine Deutsche in einem mexikanischen Krankenhaus
Es ist das älteste Krankenhaus Lateinamerikas. Seit über 200 Jahren stehen
hier Ärzte in Diensten der Gesundheit derer, die durch das Netz der sozialen
Sicherung hindurchfielen. Nur wer als Arbeiter eine feste Anstellung hat,
kann die Leistungen des Instituto Mexicano del Seguro Social (IMSS) in Anspruch
nehmen. Alle im sogenannten informellen Sektor Tätigen, vom Schuhputzer bis
zum Straßenverkäufer, haben im Krankheitsfall weder einen Versicherungsschutz
noch das erforderliche Geld für eine Behandlung.
1792 gründete der Bischof Fray Antonio Alcalde y Barriga das Hospital, welches
zusammen mit dem "Templo de Belén" und dem "Panteón de Belén"
eine komplette Manzana einnimmt. Mehr als 10000 Ärzte und Krankenschwestern
arbeiten hier rund um die Uhr in drei Schichten. Ein eigener Kindergarten
für die Kinder der Angestellten wurde eingerichtet. Es gibt einen großen Verwaltungsbereich,
die Uni verfügt hier über Unterrichtsräume und Seziersäle - nichts Besonderes,
alles ist gut organisiert, fast modern.
Ein Flur wird "Timetunnel" genannt, er verbindet den neuen Teil
des Krankenhauses mit dem alten Teil.
Ich stehe unter einem riesigen, kreisrunden Mural, einem dieser Deckengemälde,
in denen der Maler David Flores ganze Geschichten zu erzählen vermag.
Sternförmig gehen sechs offene Korridore ab. Die Krankensäle, drei für
Männer, drei für Frauen. Muffig warme Luft schlägt mir entgegen, als wir
einen der Korridore betreten. Die Betten, mit dem Kopfteil an der Wand
stehend, bilden zwischen ihren Fußteilen einen Gang, gerade so breit,
um ein Bett hindurchschieben zu können. Der Abstand zwischen den Betten
selbst beträgt knapp einen Meter. Ich zähle mindestens 20 Betten an einer
Wand. Normalerweise ist jedes Bett belegt. Wenn nicht, kommt eine durchgelegene
Matratze zum Vorschein, deren Schaumstofffüllung dort sichtbar wird, wo
die grüne Plastikumhüllung zerschlissen ist. In den etwa 50 Betten pro
Korridor wird dicht nebeneinander geatmet, gehustet und gestorben, ohne
auch nur ein Hauch von Privatsphäre.
In der Mitte des Korridors steht vor einem Seitentrakt ein Wachmann. Hinter
Gittern und mit Vorhängeschloss befindet sich hier die Inhaftierten-Station,
für alle, die während des Strafvollzugs ihren Versicherungsschutz verloren
haben, oder nie einen hatten.
Mir wird gesagt, es gäbe auch einen separaten Bereich für AIDS-Kranke mit
25 Betten, und ich frage mich, wie es dort aussieht. Das Ende dieses Korridor
ist noch eine kleine Besonderheit. In den ebenfalls eng stehenden 14 Betten
wird entbunden, unter einfachen Bedingungen, aber zumindest mit medizinischer
Betreuung.
Beim Hinausgehen fällt mein Blick auf die Bettwäsche. Sie wird vom Krankenhaus
gestellt, ebenso wie Essen, Geschirr usw. Aus hygienischen Gründen darf nichts
mit hineingebracht werden, zu groß ist die Angst vor Epidemien.
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